Hilli Mann

    

    

Wer das Atelier von Hilli Mann betritt, taucht in eine Welt aus Farben ein, die von der Decke hängen. Es sind japanische Washi-Papiere in unterschiedlichen Stärken, die über Balken, auf Seilen und großen Rollen nach unten fallen und, würde ein Wind wehen, sanft ins Schaukeln gerieten. In großen Holzrahmen stehen ihre fertigen Werke nebeneinander auf dem Boden, denn überstapeln darf man sie nicht. „Während meiner Kurse in freier Bildhauerei an der Lübecker Kunstschule habe ich begonnen, mit Papier zu arbeiten. Und ganz schnell war klar: Das ist meins!“, sagt Hilli Mann. Seitdem hat sie das traditionelle, meist handgeschöpfte japanische Papier, das aus langen Naturfasern hergestellt wird, nicht mehr losgelassen. Denn das lichtdurchlässige und zugleich zarte und reißfeste Material passt gut zu den Themen, die sie schon seit vielen Jahren interessieren: Perspektive, Verdichtungen, Polarität und Transparenz.

Für ihre Werke, „die allesamt etwas mit mir zu tun haben, was ja das Spannende an der Kunst ist“, mischt Hilli Mann ihre Farben aus verschiedenen Pigmenten, Wasser und Gummi arabicum, dem Harz des Akazienbaumes, selber an. 

Die Intensität dieser Farben in allen Tönen, aufgetragen auf das dünne Washi-Papier, lassen ihre Kunstwerke leuchten. Als Bildträger fungieren Holz oder Plexiglas, das einen besonderen Effekt hervorruft. „Wenn ich meine Papiere auf dieses Glas aufklebe, werden sie transparent und werfen zugleich Schatten beim Lichteinfall“, erklärt sie.

Gefaltet auf unterschiedlichste Art, in unterschiedlichen Höhen und Tiefen drapiert, in Streifen übereinander oder in geometrischen Mustern gelegt, als Installation von der Decke hängend – Hilli Mann zaubert faszinierende Bilder und Objekte aus ihrem Material. „Früher habe ich auch mit dickerem Zeichenpapier oder Karton gearbeitet, mittlerweile ist es das zarte Washi-Papier, dass mich immer wieder anzieht.“ Neben Titeln wie „Dazwischen“ und „Verdichtung“ hat sie ganze Serien gefertigt, die sie „Haut“ und „Ein Hauch“ genannt hat und ihre Liebe zum Japanpapier widerspiegeln.